„Unsere neue Energiewelt: Welche Chancen sie uns eröffnet“, lautet der Titel des Vortrags, den das Ammersee-Gymnasium (ASG) im Rahmen der Forscherwoche (FoWo) am Montag, 9. Februar, veranstaltete. Fast zweihundert Schülerinnen und Schüler, deren Eltern und weitere Interessierte kamen und waren überrascht, wie positiv der Vortragende, Professor Dr. Christian Holler von der Hochschule München, ausgewiesener Experte für die Energieerzeugung der Zukunft, die Möglichkeiten letztlich beschrieb.

100 Kilowattstunden (kWh) Primärenergie-Verbrauch kommen in Deutschland im Durchschnitt auf jeden Bürger pro Tag. Von diesen 100 kWh können ca. 50–60 kWh bis zum Jahr 2045 in Deutschland selbst ohne CO₂‑Ausstoß erzeugt werden. Die Schülerinnen und Schüler haben durch den Vortrag ein klares Bild von den Möglichkeiten gewonnen und berichten: „Offenbar ist es keine Lösung, die fehlenden 40–50 kWh pro Tag für jeden Einwohner nur mit Kernkraftwerken zu erzeugen. Allein die benötigte Anzahl ist mit ca. 100 dafür horrend“, so Jakob Mayerhofer (17), der an der Forscherwoche teilnimmt. „Zudem sind die Kosten pro kWh schon heute für Kernenergie doppelt bis dreifach so hoch wie für Wind oder Photovoltaik (PV), die immer billiger werden, hat uns Prof. Holler erklärt“,“ ergänzt Adrian Hoti (17), „was durch die Massenproduktion möglich wird, während Kernkraftwerke immer Einzelanfertigungen bleiben werden, auch weil sie viel, viel komplizierter sind als eine PV-Anlage.“ 

„Dass es möglich ist, die noch fehlenden 40 kWh insbesondere durch Effizienzgewinne einzusparen, hat mich überrascht“, meint Silas v. Arndt (17) vom Ammersee-Gymnasium. „Ein Großteil erfolgt dabei durch Elektrifizierung, beispielsweise durch Elektromotoren in Autos, die den Energiebedarf gegenüber Benzinern auf einen Bruchteil reduzieren.“ Und Levin Banke (16) fügt hinzu: „Die Erfahrungen mit Innovationen vom Auto über den Fernseher bis hin zum Internet zeigen: Innerhalb von zehn bis zwanzig Jahren setzten sie sich durch und werden akzeptiert, so wie heute LEDs akzeptiert werden.“ „Ich als Norwegerin kann nicht verstehen, warum in Deutschland so viele Menschen E-Autos kritisch gegenüberstehen. Bei uns sind sie völlig normal“, erzählt Johanne Kroepelien (16).

Natürlich bleibt es eine Herausforderung, die Stromproduktion im erforderlichen Umfang zu steigern. „Wenn man aber sieht, dass die Internationale Energieagentur jährlich prognostizierte, dass ein Ende des Wachstums bei der Installation von Photovoltaikmodulen erreicht sei, sie in Wahrheit aber stets weiter stieg, wächst die Gewissheit, dass wir den nötigen Strom sehr wohl produzieren können“, erklärt Dominik v. Ehrenstein (18). 

Aber es gibt auch Probleme: Unsere Stromleitungen können die großen Strommengen nicht verteilen. Und mittags erzeugen die PV-Anlagen bei gutem Wetter mehr Strom als benötigt wird. Prof. Holler erläuterte Ansätze für Lösungen: intelligente Steuerung des Stromverbrauchs, Ertüchtigung der Verteilnetze, finanzielle Anreize wie z.B. Verbilligung des Strompreises, wenn gerade viel Strom produziert wird, Ausbau von Energiespeichern und Aufteilung der einheitlichen Strompreiszone nach Regionen – was im Süden Deutschlands voraussichtlich zu leicht höheren Strompreisen führen würde.

„Die anwesenden Lokalpolitiker verwickelten Prof. Holler in heftige Diskussionen über Fragen wie die Anzahl der Ladepunkte in München und technische Details von Batterien“, berichtet Christian Eberhardt (18). „So bekamen wir einen Eindruck davon, dass unsere neue Energiewelt noch anspruchsvolle Aufgaben bereithält.“ „Wir werden benötigt, um diese zu lösen,“ so Paul Schneller (17), „und Professor Holler hat uns eingeladen, technische Studiengänge zu wählen, die zudem gute Verdienstmöglichkeiten bieten.“ „Damit wendet sich Prof. Holler genau an die richtigen unserer Schülerinnen und Schüler“, betont Physiklehrer Eckart Werner-Forster, einer der Organisatoren der Forscherwoche, „denn wir veranstalten die FoWo mit dem Ziel, unsere besten Naturwissenschaftler zu fördern und für ein MINT-Fach zu begeistern.“ „Mich motiviert besonders, dass die neue Energiewelt es ermöglicht, unseren Komfort zu erhalten, ohne die Umwelt zu belasten“, freut sich Annika Mathia, (17), „Wir müssen nicht bei 18 Grad frieren, um den Klimawandel zu verhindern.“