Mit vier großen Rollen unbedrucktem Zeitungspapier zogen eine Schauspielerin und zwei Schauspieler des „Mobilen Theaters“ der Münchner Schauburg am Freitag, den 15. November mit ihrer beobachtenden Spielleiterin ins Klassenzimmer der 8 A ein. In einer Doppelstunde des Deutschunterrichts zeigten Sie dann den Schülerinnen und Schülern, die alle ganz normal in ihrer Schulbank saßen, das komplette Jugendtheaterstück „Haram“ des holländischen Theaterautors Ad de Bont. 


In dem Stück beschließt ein marokkanisches Ehepaar, das seine drei Kinder in Holland großgezogen hat, aus Angst vor Konflikten der Jugendlichen mit ihrem Einwanderungsland und aus Angst vor einer Familien-„Schande“ (= „Haram“ auf Arabisch), die Kinder unter Aufsicht der Mutter nach dem Sommerurlaub kurzerhand in Marokko zu lassen. Die Jugendlichen wehren sich gegen diese Verpflanzung in die Kultur ihrer Eltern und möchten an den mitteleuropäischen Freiheiten und entsprechenden persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten festhalten. Nach der Abreise des Vaters nach Holland eskaliert der Konflikt und provoziert eine für die Jugendlichen schmerzhafte Reaktion der traditionsverhafteten muslimischen Familie. Mit Vernunft und Geschick muss schließlich nach einer Kompromisslösung gesucht werden.
Die drei jungen Mimen zogen viele Register ihres Könnens, wechselten virtuos und zugleich völlig unkompliziert die Rollen, ließen mit Hilfe des Zeitungspapiers unversehens verschiedene Szenarien entstehen und beschworen den Geist der Großmutter als überlebensgroße Papierpuppe herauf. Die Klasse 8 A folgte gebannt und stellte den freundlichen Schauspielprofis anschließend noch viele Fragen.
(Dr. Johannes Hauck)