Den Auftakt mit der wohl bekanntesten Tragödie des englischen Lyrikers schaffte einen wunderbaren Einstieg für die Schüler der zehnten Jahrgangsstufe, welche als Neulinge erste Eindrücke sammeln konnten und auch für uns, die schon etwas routinierteren Theatergänger der elften Klasse, diente das zeitgenössisch interpretierte Stück als lockerer Einstieg in das münchnerische Theaterleben.
Auch wenn das eigentliche Motiv des Stückes, die von Unglück und Missverständnissen durchzogene Liebesgeschichte zwischen Romeo und Julia, welche in dem dramatischen Tod der Liebenden sein Ende findet, alles andere als leichte Kost für einen amüsanten Abend scheint, so ermöglichte die unbeschwerte Inszenierung mit witzigen Charakteren und ungenierten Dialogen einen harmlosen Umgang mit der sonst sehr komplexen Thematik.
Dennoch muss ich gestehen, dass dieses Stück keinen Höhepunkt auf meiner bisherigen Theaterreise darstellt, nicht zuletzt aufgrund der wachsenden Ansprüche, die als unvermeidbare Konsequenz aus den vermehrten Theaterbesuchen hervorgehen, und den wahnsinnig vielfältigen, bereits bestehenden Inszenierungen dieses absoluten Klassikers, welche eine völlige Neuerfindung des Stückes ungemein erschweren.
Allerdings schien die Intention des Regisseurs Kieran Joel auch nicht eine revolutionäre Reproduktion der Tragödie gewesen zu sein, sondern vielmehr eine für die breite Masse leicht zugängliche Form der verworrenen Liebesgeschichte mit viel Witz und Charme auf die Bühne zu bringen.
Dementsprechend dominant war auch der Anteil an modernen Elementen, welche an manchen Stellen gleichermaßen für Lacher wie Verwirrung sorgten. Doch ebenso waren ganze Dialoge in ursprünglichem Stil gehalten, was zumindest ein wenig Entschädigung für mein klassisch schlagendes Herz bot.
Des Weiteren wurden ein paar schöne kritische Gedankenansätze eingearbeitet, wie die Frage, ob Liebe nicht ganz rational mit wissenschaftlichen Vorgängen und Mathematik zu erklären und somit berechenbar sei, welche von Julias zweitem Verehrer, dem reichen Graf Paris, verkörpert wurde. Den extremen Gegenpol dazu bildete Romeo, der sich von seinen Emotionen gänzlich überwältigt immer wieder in dramatische Monologe verlor, welche aus heutiger Sicht womöglich schwer nachvollziehbar, wenn nicht sogar etwas überzogen wirken und damit die sehr leidenschaftliche Theatralik des Stückes und der Handlung amüsant auf die Schippe nahmen, was die lockere Atmosphäre der Darstellung überhaupt erst ermöglichte.
In der Theaterbeschreibung wird als zentrales Motiv das Mysterium Liebe angegeben, einerseits aus der Perspektive von unerfüllten Sehnsüchten und bedingungsloser Hingabe, sowie andererseits die Fragestellung, ob diese so überhaupt noch in dieser Form in unserer modernen Welt existieren kann.
Beide Themenkomplexe waren deutlich zu erkennen, dennoch fehlte es mir leider etwas an Tiefe, was jedoch, wie oben bereits erwähnt, auch nicht im Fokus der Darstellung stand.
Alles in allem muss ich für meinen Teil auch sagen, dass das Theaterstück jeweils nur eine Unterkompenente aus dem Großen und Ganzen ist, was den Charme des Theaterabos ausmacht. Vielmehr ist es ein Zusammenspiel aus Gemeinschaft mit Freunden, die Stadt bei Nacht (was in unserer sehr ländlich geprägten Umgebung durchaus als ausschlaggebendes Kriterium gesehen werden kann) und vor allem auch die gemeinsamen Zugfahrten werden stets einvernehmlich für äußerst unterhaltsam befunden.
Ein weiterer Grund, warum ich jetzt schon sagen kann, dass ich mich auch auf die kommenden Darstellungen sowie den Weg dorthin und wieder zurück sehr freue!
Johanna Stedele, Q11