MedienkompetenzWarum kostet die Nutzung von „Whatsapp“, Facebook oder „Instagram“ eigentlich nichts? Wem gehören diese drei Nachrichtendienste? Und was sollte man bei ihrem Gebrauch beachten? Fragen wie diese wurden in einem zweistündigen sehr unterhaltsamen Vortrag von Herrn Weinert, einem Medienexperten der Münchner Polizei, beantwortet. Wir erfuhren, dass wir „Whatsapp“, Facebook oder „Instagram“ unentgeltlich nutzen, weil Facebook, Inhaber aller drei Dienste, beim Weiterverkauf der aus unseren accounts generierten Daten verdient, durchschnittlich 80 $ pro Nutzer. Dem haben wir auch alle zugestimmt mit den AGBs,

die erwiesenermaßen kaum einer liest. Auch kostenfreie Spiele wie „angry birds“ haben für den Anbieter nur den Sinn, Daten über den Anwender zu erhalten, zum Beispiel ein Bewegungsprofil – wo hält sich der User wie lange auf - wie oft wird das smart phone und wofür genutzt usw. Damit kann dann gezielt Werbung geschalten werden. Noch detailliertere Daten lassen sich gewinnen durch die Auswertung von Facebook – accounts oder Whatsapp -chats – oder beidem kombiniert, gehört ja dem gleichen Unternehmen. Durch ein Schaubild, in dem einfach nur die Häufigkeit der in den Chats eines Nutzers am meisten verwendeten Worte dargestellt wurde, ergab sich ein ganz offensichtliches Persönlichkeitsprofil. Sehr oft geschrieben hatte der User die Worte „Uni“ und „Strafrecht“, damit handelte es sich wohl um einen Jurastudenten. Der häufige Gebrauch des Namens „Laura“ ließ darauf schließen, dass so seine Freundin heißt und auch sein bester Freund war mit Namen identifizierbar. Man konnte auf einer Karte von Wien, dem Wohnort des Nutzers, deutlich sehen, wo sich der Anwender wie häufig aufgehalten hatte. Im übrigen musste sich Herr Weinert gar nicht die Mühe einer Datenauswertung machen, um sehr detaillierte Auskünfte über eine Zuhörerin im Saal zu erhalten – er nahm einfach deren Smart phone und befragte Siri nach den Terminen der Dame. Trotz aktiviertem Sperrbildschirm nannte Siri diese bereitwillig. Auch diese Funktion lässt sich ausstellen - wenn man will. Herr Weinert ist unter anderem für Cyberkriminalität zuständig und berichtete auch von seinen Fällen: Von dem 11-jährigen Mädchen, das sich mit einer angeblich gleichaltrigen Freundin aus dem Netz immer Whatsapps schrieb, bis der 35jährige Mann, der dahinter steckte, sie auch im wirklichen Leben treffen wollte. Oder von den 2 Mädchen, die in ihrer Whatsapp -Gruppe intime Bilder verschickten, die die Jungs dann an die gesamte Schule weiterleiteten. Trotz aller Bemühungen der Eltern, der Schulleitung und der Polizei verließen die Mädchen am Ende die Schule, da die Bilder nicht mehr aus den Handys der anderen Jugendlichen zu löschen und im Netz einzufangen waren – und die Mädchen damit nicht mehr rehabilitiert werden konnten. Herrn Weinerts These lautete: Nicht die Medien sind gefährlich, sondern deren Nutzer, die 50 cm davorsitzen. Jugendliche sollten den Umgang mit den neuen Medien lernen, selbst Computerspiele von Zeit zu Zeit sind nicht per se schädlich. Manche Eltern haben in dem einen oder anderen Playstation-Spiel ein gemeinsames Hobby mit ihren Kindern gefunden. In Maßen können diese Medien also sogar eine Bereicherung des Soziallebens sein. Und auch zu Opas Zeiten haben die Leute sich auf dem Bahnsteig nicht immer miteinander unterhalten, sondern waren damals genauso in ihre Zeitung vertieft wie heute alle in ihre Smartphones. Zu beachten aber sind unbedingt die Altersbeschränkungen für die Spiele, da teilweise auch Spiele für Jugendliche unter 18 freigegeben werden, die sehr fragwürdiges Verhalten wie Anwendung von Folter oder Tötung honorieren. Die Nutzung gerade von Messenger Services wie Whatsapp sollte bei Kinder unter 14 Jahren im öffentlichen Raum der Familie stattfinden, also beispielsweise im Wohnzimmer, und die Eltern sollten immer auch das Password zum Smartphone ihrer Kinder haben. Das Wichtigste beim Gebrauch der neuen Medien ist also laut Herrn Weinert, dass die Eltern mit ihren Kindern in der Kommunikation darüber bleiben, was diese auf ihren Smartphones und Tablets machen, vor allem aber auch sich ihrer Vorbildfunktion für die Kinder bewusst sind. (Frau Neudel, Frau Ritzkowsky)